Bilaterale wirtschaftliche und entwicklungspolitische Zusammenarbeit
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Afghanistan zählt neun Jahre nach Beginn des internationalen Wiederaufbauengagements laut UNDP-Statistik immer noch zu den ärmsten Ländern der Erde und ist das ärmste Land außerhalb Afrikas. Auf dem Human Development Index des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) belegt Afghanistan 2011 Platz 172 von 187 gelisteten Ländern. Industrieproduktion ist kaum vorhanden, 80% der Bevölkerung sind im landwirtschaftlichen Bereich tätig.
Dabei bemüht sich die afghanische Regierung um eine wirtschaftliche Erholung des Landes und hat Erfolge vorzuweisen: Die Inflationsrate konnte von 28,3% im Jahr 2008 auf rund unter 10 % in 2010/2011 gesenkt werden. Das Bruttoinlandsprodukt wird vom IWF für 2010/2011 auf 17,8 Mrd. USD geschätzt und hat sich damit seit 2006/07 mehr als verdoppelt. Das Wachstum im Jahr 2011 wird vom IWF mit rund 8 % prognostiziert. Durch den Bau von Straßen, Flughäfen und die Eröffnung der ersten afghanischen Eisenbahnstrecke von Masar-i Sharif nach Usbekistan Mitte 2011 konnte auch die für den Export afghanischer Waren wichtige infrastrukturelle Anbindung des Landes verbessert werden. Gerade im ländlichen Raum bleiben die Herausforderungen für eine selbsttragende wirtschaftliche Entwicklung angesichts mangelnder Infrastruktur, fehlender Erwerbsmöglichkeiten außerhalb der Landwirtschaft und geringem Ausbildungsstand der Bevölkerung aber weiterhin groß. So liegt die Analphabetenquote in ländlichen Regionen bei rund 90%.
Entsprechend der positiven wirtschaftlichen Entwicklung sollen auch die Staatseinnahmen im Jahr 2010 laut Berechnungen des afghanischen Finanzministeriums von zunächst geschätzten 1,5 Mrd. USD auf 1,8 Mrd USD deutlich ansteigen. Im Haushaltsjahr 2009/10 belief sich der Anteil internationalen Hilfsgelder am Haushalt auf ca. 63 Mrd. AFN, ohne sie wäre der afghanische Staat nicht überlebensfähig. Hinzu kommen 2010 weitere 245,4 Mrd. AFN, die von Gebern bilateral für Wiederaufbau- und Entwicklungsprojekte aufgewendet werden. Diese Gelder fließen direkt in Projekte und Programme, die durch afghanische oder internationale Durchführungsorganisationen umgesetzt werden.
Deutsches Engagement für zivilen Wiederaufbau und humanitäre Hilfe
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Mit deutscher Hilfe: Der Erweiterungsbau der Mukhfi-Schule in Faisabad, Afghanistan
(© AA/Schindelarz)
Der zivile Wiederaufbau steht im Mittelpunkt des deutschen Engagements in Afghanistan. Vor dem Hintergrund der Strategie einer „Übergabe in Verantwortung“ und glaubwürdiger Zusagen der afghanischen Regierung in den Bereichen Regierungsführung und Korruptionsbekämpfung auf den Afghanistan-Konferenzen in London und Kabul, hat die Bundesregierung ihre zivilen Hilfszusagen auf 430,7 Mio. € jährlich bis voraussichtlich 2013 nahezu verdoppelt. Hinzu kommen Leistungen der entwicklungsorientierten Not- und Übergangshilfe sowie der humanitären Hilfe.
Mit den erhöhten Mitteln hat das Auswärtige Amt sein politisch-ziviles Engagement in Afghanistan seit 2010 deutlich verstärkt. Die Projektansätze des AA sind außen- und sicherheitspolitisch motiviert und sollen schnell, gezielt und sichtbar auf akute Problemlagen Afghanistans reagieren. Prioritäten bilden die Sicherheitssektorreform (Ausbildung afghanischer Polizeikräfte), Stabilisierungsprojekte im deutschen Verantwortungsbereich im Norden des Landes (u. a. Bau von Krankenhäusern, Schulen, Transportinfrastruktur), der Aufbau von Kapazitäten in Verwaltung und Justiz, Berufsbildung, Hochschulkooperation und die Unterstützung des kulturellen Wiederaufbaus. Hinzu kommt die aus außen- und sicherheitspolitischer Sicht bedeutsame Förderung der Regionalkooperation zwischen Afghanistan und Pakistan. Außerdem hat das Auswärtige Amt Mittel für das von der afghanischen Regierung initiierte Programm zur Reintegration aufgabebereiter Kämpfer bereitgestellt, die über das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen umgesetzt werden.
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Arbeit der Dorfbewohner am Brunnen
(© Deutsche Botschaft Kabul)
Neben dem Auswärtigen Amt ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mit eher längerfristig angelegten Programmen in den Schwerpunktsektoren Wasser- und Energieversorgung, wirtschaftliche Entwicklung, Grund- und Berufsbildung sowie gute Regierungsführung aktiv.
Der regionale Fokus der deutschen Wiederaufbauarbeit liegt im Norden Afghanistans, insbesondere in den Provinzen Kundus, Balkh, Takhar, Badakhshan und Baghlan. Darüber hinaus werden jedoch gezielt auch nationale Programme der afghanischen Regierung sowie Wiederaufbauprojekte in anderen Teilen des Landes - vielfach in Kooperation mit internationalen Partnern - unterstützt (u.a. in Kandahar, Oruzgan, Herat und Kabul).
Stand 23.11.2011